Internationale Musikmesse Frankfurt 2012

Und wieder mal war es soweit, die internationale Musikmesse Frankfurt oeffnete ihre Pforten für alle musikbegeisterten Besucher und bot einen satten Blick auf die schönsten Instrumente, die die Welt anzubieten hat. In der Halle 1.2 treffen sich seit vielen Jahren die Streicher und testen in aller Ruhe die edlen Werke der Geigen- und Bogenbauer. Die Qualität war wie immer sehr hoch und viele Aussteller hatten ein besonderes Instrument als Hingucker auf ihrem Stand.

Die Firma Emanuel Wilfer baut seit 1905 Kontrabässe. Rudi Wilfer zeigte stolz einen Kontrabass mit atemberaubend schönen Rücken aus Vogelaugenahorn, der dazu noch breite Flammen aufwies. Rudi Wilfer lackierte dieses einzigartige Stück Holz in so meisterlicher Art, dass sich Trauben von Zuschauer bildeten, um dieses schöne Teil zu bewundern. Rudi hat mit seinen 67 Lenzen über 50 Jahre Berufserfahrung und das sieht man seinen Werken auch an. Sein Lack ist von unglaublicher Tiefe und Klarheit, beim Betrachten hat man schier das Gefühl, einen dreidimensionalen Raum vor Augen zu haben. Klanglich liess der Bass natürlich keine Wünsche offen und mancher Meisterbassist spielte mit Genuss auf diesem seltenen Bass. Leider konnte ich den Bass nicht erwerben, er wird im Herbst an der internationalen Musikmesse in Shanghai nochmals ausgestellt. Wer diesen Anblick hier verpasst hat, hat also in China nochmals ein gute Chance.

Die Nachfrage nach leichten und doch stabilen Basscases hat zu erstaunlichen Resultaten geführt. Ein interessanter Prototyp aus extrem leichten Carbonfiber wurde mit der Versicherung angeboten, 100 Kilo Druck auszuhalten. Roland Wilfer nahm den verduzten Erfinder gleich beim Wort und tanzte auf dem Case ein paar gekonnte Schritte Chacha. Das Case hielt die elegante Darbietung schadlos aus und Roland konnte einen begeisterten Applaus einheimsen.
Der Erfinder war ebenso begeistert und wohl auch etwas erleichtert. Diese Art von Feuertaufe in Anwesenheit so vieler Musiker ging gut aus. Das kleinste Knistern oder Knacken im Carbon oder ein nachgebender Beschlag hätte den Test aber auch in Hohnlachen verdrehen können. Da dieses Modell bloss ein Prototype war, waren einige Details noch nicht serienreif. Zum Beispiel die Räder müssen nochmals überarbeitet werden. Die Stabilität hat es aber mehr als genug bewiesen, denn Roland testete die Statik mit seinem Tanz wirklich ausgiebig. Ich bleibe an diesem Produkt dran und informiere bei Gelegenheit weiter….

Ein weiteres Case für den genialen Christopher RN ( Removable Neck, wegnehmbarer Hals ) zeigten Jonas und Marcus an ihrem Stand. Der Korpus und der abmontierte Hals haben separate Abteile und können mittels Klettstreifen schnell und sicher an ihrem Platz festgemacht werden. Platz für Bogen und Ersatzsaiten sowie Kleinmaterial hat es reichlich. Die stabilen Räder und diverse Griffe machen den Transport einfach. Zudem lässt sich das Case wie ein moderner Koffer stehend vor sich hinschieben. Die Höhe von nur 135 cm machen das leicht möglich. Diese elegante Lösung überzeugte mich sofort und ich bestellte schon den ersten Bass plus Case. Sofort nach Eingang des Modells werde ich gute Fotos machen und auf meiner Homepage www.kontrabass.ch veröffentlichen. Da dieses Modell grossen Anklang fand, wird es aber einige Monate dauern, bis es soweit ist.

Erfreuliches gab es auch von der Schweizer Firma Wharry zu hören, die zum ersten Mal mit einem eigenen Stand in Frankfurt vertreten war. Der Importeur von namhaften Saitenfirmen wie Pirastro oder Thomastik hat seine Preise extrem gesenkt und ich werde meine Preise in Kürze anpassen. Da konnte ich`s mir allerdings nicht verkneifen auch mal die Qualität anzusprechen. Vorallem Infeld /Thomastik macht es sich in letzter Zeit etwas einfach und ich hatte in den letzten 3 Jahren immer wieder mal tote Saiten im Satz. Ich würde es sehr begrüssen, wenn die Saitenhersteller solche Reklamationen ernst nähmen und sich wirklich um eine Klärung der Ursachen bemühen würden. Hier zu kneifen zahlt sich auf die Dauer nicht aus und führt langfristig zu einer Rufschädigung.

Leider merkt man es nicht nur bei den Saiten. Der Preisdruck führt bei manchen Firmen zu nachlassender Qualität. Solange der Konsument nur den Preis sieht und die Hersteller und Händler mit fragwürdigen Tiefpreis Angeboten aus dem Internet zu drücken sucht, wird diese unselige Entwicklung andauern. Qualität muss das erste Gebot bleiben und es ist eine alte Schweizer Tugend, bei einem Kauf als Erstes auf Qualität zu achten.

In diesem Sinne, bis gleich wieder mal, Euer

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright Text und Fotos G. Pianzola, Bern 2012

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Die Hölzer im Geigenbau / Teil 1 Fernambuk

Immer wieder werde ich auf`s Holz angesprochen. Viele Kunden möchten gerne wissen, welche Hölzer für den Kontrabass verwendet werden und welche dieser Hölzer bedroht sind. Denn in den Medien trifft man regelmässig Beiträge zu diesem Thema an. Erst kürzlich strahlte der Kassensturz eine Sendung zum Ebenholz aus, die teils heftige Reaktionen auslöste. Dabei muss bemerkt werden, dass auch die Medien ihre Vorteile aus diesen Themen zu ziehen suchen und manchmal etwas oberflächlich und plakativ informieren.

Zum Bau eines Kontrabasses und des Kontrabassbogens verwendet man hauptsächlich folgende Hölzer:
1) Fernambuk zum Bau der Bogenstange. Aus Brasilien, heisst dort „Pau Brasil“
2) Ebenholz zum Bau des Griffbrettes und der Wirbel, des Bogenfrosches und manchmal auch des Saitenhalters. Aus Afrika oder Ceylon, weichere Sorten aus Indien
3) Ahorn zum Bau des Halses, des Rückens, der Zargen und des Steges. Vorallem aus Bosnien oder den Karpaten.
4) Fichte aus dem Alpenraum zum Bau der Decke.
5) Diverse, eher selten verwendete Varietäten, wie Weide, Pappel, Linde, Nussbaum usw. Meistens einheimische Hölzer.

Teil 1 Fernambuk
Zum Bau der Bogenstange hat sich in den letzten 250 Jahren das Holz von Caesalpinia Echinata klar als Favorit durchgesetzt. Dieses Holz, in Brasilien „Pau Brasil“, Pernambuco oder Fernambuk, wegen seiner stark färbenden Wirkung auch „Feuerholz“ genannt, ist immerhin der Namensgeber von Brasilien. An der Ostküste Brasiliens, der Mata Atlantica, früher im damals grossen Küstenwald häufig anzutreffen, wurden die Bestände massiv abgeholzt, um Platz für landwirtschaftliche Nutz- und Wohnflächen zu schaffen. Die Bestände wurden also nicht nur wegen ihrer Nutzbarkeit dezimiert, sondern auch wegen des Bodens, auf dem sie wuchsen. Nur mehr 5-7 % der ursprünglichen Waldfläche ist vorhanden und somit ist auch der Lebensraum dieser Baumsorte stark eingeengt.

1999 realisierte eine Gruppe von Bogenmachern die zunehmenden Schwierigkeiten, Fernambuk Holz in der geeigneten Qualität zu beschaffen und beschloss, sich für die nachhaltige Nutzung einzusetzen. Die IPCI wurde gegründet. IPCI steht für International Pernambuco Conservation Initiative und ist inzwischen eine weltweite Organisation, die mit Massnahmen wie Bestandsermittlung, Forschungs- und Wiederanpflanzungsprogramme einige Erfolge vorzuweisen hat.

Durch die geschickte Einbindung der einheimischen Bevölkerung und der ansässigen Kakao-Pflanzern konnte in wenigen Jahren das Ziel, 500 000 Setzlinge auszubringen, erreicht werden. Die Symbiose mit den Kakao Pflanzen ist ideal. Diese Pflanze braucht Schatten, um gedeihen zu können. Schatten , die der Fernambuk Baum zu spenden vermag. Von diesem Argument liessen sich die Kakao Pflanzer überzeugen und pflanzten die zur Verfügung gestellten Setzlinge von Caesalpinia Echinata auf ihrem Boden ein. Eine klare Win / Win Situation.

Da Brasilien durch seine klimatische Lage ein viel besseres Pflanzenwachstum aufweist als etwa unsere Breitengrade, kann schon nach 30 Jahren Nutzholz gefällt werden. Die vielen parallelen Programme wie Vermessung der Bestände, Forschung des Wachstumsverhaltens, Bestimmung der DNA und möglicher Schädlinge, Sammlung von Samen oder das Fördern von musikalischen Projekten und die Sensibilisierung der Bevölkerung sind genau so wichtig und werden in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden geführt.

So hat die staatliche Forstbehörde IBAMA eine massgebende Rolle in diesem Projekt. Professor Haraldo vom Forschungsinstitut begleitet die Projekte auf wissenschaftlicher Basis. Zudem ist der Handel mit dem Holz zertifiziert worden und kann nur mehr gegen genaue Schriften geführt werden. Zum Wohle des Musikers wurde aber klar bestimmt, das die Reise mit einem Fernambuk Bogen ungehindert möglich ist und nicht, wie das z.B. beim Elfenbein ist, in manchen Ländern zu Beschlagnahmung durch den Zoll führt.

Für mich war es ein Erlebnis der besonderen Art, mir diese Organisation erklären zu lassen. Klaus Grünke, der Präsident der deutschen Bogenmacher Vereinigung nahm sich persönlich Zeit, mich in seiner schönen Werkstatt zu empfangen und mir die Arbeit der IPCI vorzustellen. Inmitten einer Auswahl von feinsten Bögen und einem ansehnlichen Stapel dieses seltenen Holzes als Kulisse wurden seine geschilderten Erlebnisse aus dem Küstenwald lebendig und die kompromisslose Hingabe zu seinem Beruf war in jedem Moment spürbar. Besten Dank !

In diesem Sinne, bis gleich wieder Mal……. Euer

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

Wer mehr zu diesem Thema erfahren will, besucht doch einfach die vielen Homepages von IPCI, wie
www.ipci-deutschland.org
www.ipci-canada.org
www.ipci-usa.org

© copyright Text Giorgio Pianzola, Bern 2012 . Fotos by IPCI

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Warnung !! Alarmstufe rot !!

Bitte unbedingt beachten:
Das Kältehoch Cooper aus Sibirien bringt sehr kalte und trockene Luft in unsere Breitengrade. Die Heizungen ziehen automatisch hoch und trocknen die Luft noch zusätzlich ab.
Jetzt ist es allerhöchste Zeit, die Luft zu befeuchten und den geliebten Bass vor Trockenrissen zu schützen.
Luftbefeuchter in Betrieb nehmen, nasse Wäsche aufhängen, Innenbefeuchter auffüllen, was auch immer.
Mindestens 60 % relative Luftfeuchte muss der Bass immer haben, sonst sind Risse vorprogrammiert.
Bitte auch Vorsicht beim Lüften. Steht der Bass längere Zeit in der kalten Zugluft, ist`s um das Holz geschehen.
Für alle Bassisten, die in die Berge fahren um dort zu spielen. Unbedingt Innenbefeuchter benutzen und mehrmals täglich befeuchten. Die Luft in der Höhe ist extrem trocken und entzieht allen Gegenständen und Lebewesen Feuchtigkeit.

Ich hoffe das Beste. Bis bald mal wieder und viel Glück oder hohe Luftfeuchte…

Euer Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

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Der Bassbuggie ! Klein, fein, schnell und absolut genial !

Der Transport unseres Lieblings ist ja nicht eben einfach. Man erwähnt es nicht gerne, aber die Schlepperei kann schon nerven. Der Bassbuggie erleichtert das erheblich. Einfach zu montieren, stabil zu lenken, leicht zu versorgen und das alles zu einem schlichten Preis, das muss ein Wunder sein.
In der Tat hatte sein Erfinder hier einen guten Tag und der Bassbuggie ist ihm so gut gelungen und ist in seiner Konstruktion so simpel einfach, das ich mich immer wieder frage: „Wieso ist das nicht mir eingefallen?“

Die Montage geht blitzschnell:
Die grosse Oese wird über den Stachel gelegt, die Grundplatte kommt mit den Räder nach Aussen auf die Zargenseite der Hülle, die breiten Riemen werden zum Hals hochgezogen und die Ankerplatte wird kurz unter dem Halsansatz eingestellt. Nun den Gummizug um den Hals schwingen und mit der Kugel einhängen. Fertig !
Der Kontrabass lässt sich nun sofort mit einer Hand herumfahren und rollt Dank den weichen Räder selbst über das wirrste Kopfsteinpflaster ohne Mühe. Die Räder haben auch oben einen Schutz, der bei nassem Wetter das aufspritzende Wasser von der Hülle weghält. Gebaut aus stabilem Kunststoff und mit zähen Sicherheitsgurten, lässt sich der Bassbuggie einfach mit Wasser abwaschen und so ganz leicht reinhalten.

Zur Not kann der Bass auch Dank dem Bassbuggie aufrecht stehenbleiben. Zum Beispiel, wenn man mal am Automaten ein Fahrschein lösen will, oder sich von seiner Liebsten innig verabschieden möchte. Trotzdem, als Ständer ist der Bassbuggie nicht gedacht und man sollte in dem Fall immer ein Auge auf den Bass haben.

Wer noch kein Weihnachtsgeschenk für sich oder den geliebten Bassisten hat, der sollte sich den Kauf dieser genialen Erfindung nicht lange überlegen. Der Bassbuggie ist ein treuer Begleiter und Helfer und schont den Rücken. Und für seinen bescheidenen Preis ist er jeden Franken wert.

Bassbuggie nur 195.- Fr
plus 8% Mehrwertsteuer
www.kontrabass.ch

In diesem Sinne, schöne Festtage und bis bald wieder mal……

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Alle Fotos und Texte, G. Pianzola, Bern 2011

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Musikpreis 2011 des Kantons Bern geht an Martin Schütz

Der Bieler Cellist/Bassist Martin Schütz ist ein Unikum. Ein Erneuerer und Erfinder. Ein Vollblutmusiker mit klassischer Ausbildung, der aber gern mal zu Wah Wah Pedal und Marshallamp greift und es so richtig krachen lässt. Martin rief mich in den achziger Jahren mal an und spann eine Idee über eine Verschmelzung von Kontrabass und Cello.
Das war mehr als faszinierend und nach vielen Skizzen und wilden Diskussionen entstand eine grobe Form des Bassocello, das wir seiner Tropfen Form wegen „The Drop“ nannten. Nach einigen Aenderungen und Verbesserungen baute ich in feinstem Tonholz das wirkliche BassoCello, das Martin heute noch spielt.
Das Instrument ist genau wie ein Kontrabass oder Cello nach der alten Handwerkstradition gebaut, hat aber eine eigenwillige und vorallem, transportfreundlichere Form.
Die Decke ist aus feinster Fichte von Hand ausgearbeitet und am Rand mit einem Filet eingelegt. Auch der Rücken aus hochgeflammten Ahorn ist ausgearbeitet und die Zargen sind aus dem passendem Holz gebogen. Einzig in der Mitte des Instrumentes verläuft eine Neuerung, die es beim Streichinstrument so nicht gibt. Das Bassocello verfügt über einen Resonanzbalken, der dem Instrument mehr Sustain verleiht und die Gefahr der Rückkoppelung vermindert. Lackiert ist das BassoCello nach alter Rezeptur und die vielen Jahre täglichen Gebrauches haben dem Lack eine schöne Patina verliehen.

Nun hat der Kanton Bern das Schaffen von Martin Schütz mit dem Musikpreis 2011 gewürdigt. Die kantonale Musikkommission schreibt in Ihrer Pressemitteilung:
Der mit 20’000 Franken dotierte Musikpreis 2011 des Kantons Bern geht an den vielseitigen Bieler Musiker und Komponist Martin Schütz. Die kantonale Musikkommission ehrt damit einen bedeutenden Musiker, der sich seit langem erfolgreich zwischen Kategorien bewegt: als improvisierender Musiker, als gefragter Film- und Theaterkomponist und als Performer in stilistisch übergreifenden Zusammenhängen. Bekannt geworden ist er als Mitglied des Trios Koch-Schütz-Studer, daneben ist sein Schaffen aber in vielen Kontexten und Medien zu hören – auf der Bühne, in Hörbüchern, in Hörspielen oder Filmen. Als undogmatischer, flexibler und anspruchsvoller Komponist und Musiker garantiert er international bekannten Regisseuren, Tanzschaffenden und Autorinnen/Autoren (Christoph Marthaler, Luc Bondy, Anna Huber etc.) jeweils einen spannenden Soundtrack auf der Höhe der Zeit.

Eine treffende Beschreibung dieses einzigartigen Musikers und Komponisten. Ich wünsche mir mehr Musiker wie Martin Schütz. Musiker, die Ihre eigenen Noten spielen und nicht die ihrer vergötterten Vorbilder. Nichts gegen Vorbilder, aber wenn man dabei zum Kopisten verkommt, verliert auch die perfekt gespielte Musik jede Seele.
Martin Schütz spielt Martin Schütz, und das ist erfrischend !
Herzliche Gratulation und viel Erfolg zu Deiner weiteren Karriere !

In diesem Sinne, bis gleich wieder mal……..

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright Text und Fotos G. Pianzola Bern 1987, 2011 , Auszug aus dem Text der Musikkommssion, zvg

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Innenbefeuchter für Kontrabass

Die kalte Jahreszeit naht und die Heizungen laufen an. Damit sinkt auch die relative Luftfeuchte in den Wohnungen und Musikzimmern rapide ab. Denn die trockene Luft entzieht allen Gegenständen Wasser und dieser Prozess lässt das Holz schrumpfen, oder, wie man es hierzulande auch nennt, schwinden.

Innenbefeuchter für Kontrabass

Der Innenbefeuchter für Kontrabass

Eines der einfachsten Mittel, der Trockenheit und den damit entstehenden Trockenrisse entgegen zu wirken ist ein simpler Innenbefeuchter. Ein einfacher Schlauch mit einem grossen Gummiteller an dem einen Ende kann bequem durch die obere Oeffnung des F-Loches eingeführt werden und verbleibt hier in Schwebelage.
Im Innern diesen Schlauches befindet sich ein Schwamm, der eine grosse Menge an Feuchtigkeit zu speichern vermag. Diese Feuchtigkeit sättigt nun die Luft im Körper des Kontrabasses und verhindert so ein weiteres Austrocknen des Holzes und sein Reissen. Wird der Befeuchter jeden Tag neu bewässert, kann man die Heizperiode schadlos überstehen.
Dabei ist aber unbedingt darauf zu achten, den Schwamm nur feucht zu machen und nicht etwa klatschnass. Es darf kein Wasser in den Bass tropfen, das würde mehr Schaden anrichten als verhindern. Man vergewissere sich unbedingt, dass kein Tropfen aus dem Schlauch fällt, bevor man den Befeuchter in den Bass einführt. Auch sollten die Befeuchter alle paar Jahre mal erneuert werden. Spätestens wenn der Schwamm bröselt oder der Gummi anfängt, braun zu werden ist eine Erneuerung angesagt.

Zu Hause ist ein zusätzlicher Luftbefeuchter sehr empfehlenswert. Einfache Modelle, die das Wasser versieden und damit keimfrei machen sind billig und effektiv. Zudem sind sie ein wirksames Mittel gegen austrocknende Schleimhäute und den damit im Winter weitverbreiteten Erkrankungen der Atemwege. Ein guter Tip ist auch ein Tropfen eines wohlriechenden ätherischen Oeles als Beigabe zum Wasser des Versieders. Das gibt der Atemluft einen angenehmen Hauch eines in vielen Variationen wählbaren Duftes und hilft, die kalte Jahreszeit behaglich zu verbringen.

In diesem Sinne, alles Gute für Sie und Ihren Bass und bis gleich …….

Giorgio Pianzola
Kontrabassbauer

© Copyright Foto und Text Giorgio Pianzola Bern 2011

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Kontrabass und Flugreisen

Reisen mit dem Kontrabass ist eine Sisyphus Arbeit. Nicht nur Fluggesellschaften machen dem Bassisten das Reisen schwer. Auch Taxifahrer, Zollbeamte, Behörden, Mitreisende und Terroristenfahnder haben es bisweilen ganz arg auf Bassisten abgesehen. Reisen mit den öffentlichen Verkehrsmittel zu Stosszeiten kann ganz schön traumatisch sein und führt manchmal zu bizarren Beschädigungen.

Was der Profibassist Kalli Gerhards mit der Fluggesellschaft Swiss erlebt hat, dürfte jeden Bassisten interessieren. Wenn sich nicht der Kassensturz eingeschaltet hätte, wäre die Sache wohl bei der üblichen „Faust im Sack“ geblieben. So hat er zumindest sein Geld zurück erhalten. Wünschenswert wäre, wenn sich die Fluggesellschaften wenigstens auf ein klare Haltung einigen könnten. Hier die ganze Geschichte in Farbe:

Kassensturz vom 14.06.2011

In diesem Sinne, viel Glück auf Euren Reisen und bis gleich….

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Text G. Pianzola © Video SRF Kassensturz

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Vandalismus pur

Bei der Restauration alter Musikinstrumente trifft man auf so Einiges. Die vielen Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Spuren von geschickten Händen und guten Reparaturen, aber auch Spuren von Vandalen und Pfuscher. In den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Restaurateur habe ich einige bizarre Sachen gesehen. Was mir aber letzte Woche unter die Augen kam, war das bis jetzt wirklich Unglaublichste, was ich je erlebt habe.

Holzschraube M12x180, durchgebrochen !

Holzschraube M12x180, durchgebrochen !

Ich kaufte einen Kontrabass, der von seiner Grundsubstanz eigentlich sehr gut erschien und einer Restauration auf jeden Fall würdig. Ich bemerkte schon vor dem Kauf die Problemstelle Halsansatz / Korpus. Aber da haben die meisten Bässe über die Jahrhunderte Probleme, das ist nichts Neues. Nach Ablösen des Griffbrettes entdeckte ich als Erstes eine riesige Schraube. Die Schraube war aber schon durchgebrochen, denn Sie kann den Zug auf die Dauer nicht aushalten.
Autospachtel als Holzersatz ! Schrecklich !

Autospachtel als Holzersatz ! Schrecklich !

Der Halsfuss war mit einem seltsam deckenden Lack kaschiert. Unter unzähligen Schichten von Farben entdeckte ich eine Substanz, die ich bisher noch nie angetroffen hatte. Zumindest nicht im Geigenbau: „Autospachtel“ !?! Der Halsfuss bestand aus mehreren rohen Stücken, die alle mit Autospachtel verbunden waren. Doch damit nicht genug. Dieser Schock war erst der Anfang.

Ein Bett aus Autospachtel !!!

Ein Bett aus Autospachtel !!!

Nach vorsichtigem Herauslösen des Halsfusses aus dem Halsschuh zeigte sich das ganze Ausmass dieses Pfusches. Der Hals stand bis zum Knöchel in einem Meer aus dieser Masse, die man in der Autobranche als Spachtelmasse für Karosserien braucht. Bis tief in den Bass war diese Epoxydflüssigkeit gedrungen und ich holte mehr als ein Kilo an steinharter Splitter dieser völlig ungeeigneten Masse aus dem alten Kontrabass heraus. Traurig, wie hier ein wirklich schöner Kontrabass aus der Blütezeit des oesterreichischen Geigenbaues geschändet wurde. Nicht nur hielt dieser Pfusch dem Saitenzug nicht lange stand. Nein, er verunmöglichte auch eine fachgerechte Reparatur. Sowohl der Halsklotz wie der Hals mussten komplett ausgewechselt werden, um eine saubere Restauration auszuführen.
Nägel gehören nicht in den Kontrabass !

Nägel gehören nicht in den Kontrabass !


Leider ist das kein Einzelfall. Fast in jedem aelteren Kontrabass entdeckt man fragwürdige Praktiken. Hier die Reste eines Oberklotzes aus einem sehr alten Bass. Jemand hat den Rücken kurzerhand mit einem Dutzend Nägel auf den Klotz gehauen. Unnötig zu sagen, das er bei dieser Aktion mehrere Male den Nagel verfehlt hat und voll in den schönen Ahorn geschlagen hat. Links auf dem selben Foto sieht man eine grosse Träne von Epoxyd Leim, mit dem die fehlende Haftkraft der Nägel korrigiert werden sollte.

Leim, Leim, Leim, Leim, und nochmals Leim !

Leim, Leim, Leim, Leim, und nochmals Leim !


Im Innern des Kontrabasses zeigt sich ein Sammelsurium an verschiedenen Leimen. Alle grossen Marken und Sorten sind hier vertreten und das in rauhen Mengen. Zu meiner Beruhigung hat sich keiner dieser Reparateure den Aufwand gemacht, den alten Leim vorher auszuwaschen und hat einfach viel neuen Leim in den Riss gedrückt, in der Hoffnung, es halte dann schon irgendwie. So ist die Haftkraft zwischen den einzelnen Schichten sehr schlecht und erleichtert das Entfernen.

Denn es gibt nur einen Leim, den man im Geigenbau verwenden kann und darf: Perlleim! Dieser Leim kann immer wieder ausgewaschen werden und ermöglicht so immer wieder die Reparatur eines Streichinstrumentes über die Jahrhunderte hinaus. Kunstharzleime, Sekundenkleber, Epoxydharze usw. gehören NICHT in ein Streichinstrument. Es mögen gute Leime sein, sie sind aber im Geigenbau völlig fehl am Platz. Das gilt auch für Nägel und Schrauben. Bitte helft mit, die schönen Werke des alten Handwerks für spätere Generationen zu erhalten und verweigert Euch solchem Pfusch.

In diesem Sinne, viel Spass und bis bald…. Euer

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

© Copyright Text und Fotos G. Pianzola Bern 2011

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Europäisches Kinder- & Jugendbasscamp vom 4. – 13. August in Klingenthal

Es gibt wohl kaum etwas Schöneres für den Menschen als gemeinsames Musizieren. Wenn dieses Erlebnis auch noch in einem so malerischen Ort wie im deutschen Klingenthal stattfindet und mit einem satten Rahmenprogramm geschmückt ist, kann man wohl kaum Nein sagen. Angesprochen sind jugendliche Kontrabassistinnen und Kontrabassisten zwischen 6 und 18 Jahren, die Ihren Horizont erweitern möchten und mit namhaften Dozenten wie Professor Gottfried Engels, Caroline Emery, Professor Edmond Cheng und Stephan Bauer arbeiten möchten.

Musiziert wird morgens im Einzel- oder Ensembleunterricht, nachmittags in der gemeinsamen Orchesterprobe. Die einzelnen Kurse werden nach Alter und Können ganz unterschiedlich gestaltet. Bearbeitet werden Stücke u. a. von Casey Elliott, Ernest Mahle, Jürgen Michel und Klaus Trumpf. Neben dem Bass Spielen kommt aber auch die Freizeit nicht zu kurz. Dazu gehört alles, was im Sommer Spass macht: Grillen, Baden, Fussball, Badminton usw.

Weiter Infos direkt unter www.youthbasscamp.com

Anmeldungen bitte direct an Stephan Bauer 0049 179 4677349

Mit meinen besten Wünschen für einen wunderschönen Sommer…..

Giorgio Pianzola, Kontrabassbauer

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Die Kunst der Stege

Der Steg ist einer der wichtigsten Teile des Streichinstrumentes. Nach dem Spiegel aus dem Stamm gespalten, zeigt er auf seiner Oberfläche kleine glänzende Flächen. Das sind die Markstrahlen des Baumes. Der auf magerem Boden gewachsene Bergahorn hat besonders viele dieser kleinen „Spiegel“ und wird auch wegen seiner Dichte und Härte zum Stegbau bevorzugt.
Leider wird das Holz dieser Bäume immer seltener, die geschlagenen Durchmesser schrumpfen seit Jahrzehnten. Die Furnierwerke bieten Unsummen für dieses schöne Holz und treiben die Preise so in die Höhe. Die wenigen Firmen, die noch Kontrabass Stege schneiden, schütteln immer mehr bedauernd den Kopf, wenn man sie auf diese 1A Qualität anspricht. Dabei ist es aber genau dieses Holz, das tonlich die besten Resultate ergibt. Auch gegen das gefürchtete Durchbiegen sind diese dünnen Bretter nahezu endlos gefeit.

Seit vielen Jahren sammle ich deswegen 1 A Stege und reise durch die Welt um die schönsten Stücke zu ergattern. Es ist wie mit gutem Wein, auch die Stege kann man ewig lagern,  sie werden nur besser. So habe ich kürzlich aus einem Nachlass einige Bass Stege gekauft, die sicher 50 Jahre alt sind und aus steinhartem Holz gefertigt sind. Denn es gibt nichts Aergerlicheres, als auf einen schönen Bass einen schlechten Steg stellen zu müssen.

Einige dieser Stegbauer sind wahre Künstler. Auf dem Foto oben sieht man einen 1A Steg, in den der geniale Stegbauer von Hand meine Initialen gesägt hat. Wenn man mal Zeuge einer solchen Meisterleistung wird, weiss man, was handwerkliche Kunst ist. Auf dem Foto rechts sieht man einen kleinen Teil meiner Stegsammlung. Die verschiedenen Formen habe alle ihre klanglichen Eigenheiten. Dazu kommen noch die verschiedenen Grössen, passend zu den Grössen der Kontrabässe. Der sehr alte, grosse Steg oben ist nicht für einen existierenden Bass geschnitten worden, sondern sollte zeigen, wie gross früher die Bergahornbretter waren, aus denen man Stege schnitt.
Sehr wichtig ist auch das genaue, luftdichte Aufpassen der Stegfüsse auf die individuelle Deckenwölbung jedes Basses. Diese Arbeit ist heikel und erfordert viel Geduld und Erfahrung. Von der Genauigkeit dieser Arbeit und der Qualität des Holzes hängt der Sound des Basses entscheidend ab. Auch die obere Wölbung des Steges ist von äusserster Wichtigkeit. Denn der Abstand der Saiten zum Griffbrett entscheidet über Spielkomfort oder Qual.

Es macht Spass, diesen traditionellen und wahren Werten des Geigenbaues nachzuspüren. Leider sieht man auch immer wieder Bedenkliches. Angeblich selbstanpassende Füsse verformen die Deckenwölbung, billiger Feldahorn dient als Ersatz für den Steg oder hastig angepasste Stegfüsse beschädigen den schönen Lack. Doch es liegt bei jeden einzelnen Bassisten, ob er sich dergleichem hingibt, oder ob er auf der alten schönen Qualität beharrt.

In diesem Sinne, viel Spass und bis gleich, Euer

Giorgio Pianzola,
Kontrabassbauer

© Copyright Text und Fotos Giorgio Pianzola Bern 2011

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