Immer wieder erlebe ich nach dem Oeffnen eines Kontrabasses böse Ueberraschungen. Statt seriösen Reparaturen am alten Holz wurden gerissene Teile weggebrochen und mit billigem Holzkitt ausgespachtelt. Diese unselige Unart, Reparaturen auszuführen, hat Generation von Streichinstrumenten verpfuscht.
Vorallem im Verleimbereich der Decke zu den Zargen findet man diese unselige Masse. Ueber die Jahre zerbröselt dieser Kitt, da ihm die Elastizität des organisch gewachsenen Holzes mit seiner genialen Ligninstruktur völlig fehlt. Er verliert jegliche Festigkeit und ruiniert die Haftung zwischen Decke und den Zargen völlig. Die Statik des Streich instrumentes beginnt zu erodieren und der Klang verliert an Kraft und Brillanz.
Da gibt es nur noch eine Möglichkeit: neues Holz einsetzen. Also her mit der Japansäge, den rasiermesserscharf geschliffenen Stechbeiteln und dem Miniaturhobel. In stundenlanger Arbeit wird ein perfekter Schacht gearbeitet. Das zersplitterte Holz und der mürbe Kitt werden ausgeräumt und ein feinjähriges, zu den Jahrringen der Decke passendes Stück Fichtenholz wird luftdicht eingepasst.
Dieses frische Holz ist auch aus einem alten abgelagerten Fichtenbrett, das man sich für solche schwierigen Reparaturen an Lager hält. Nicht nur ersetzt dieses Teil die Kittstellen und die zersplitterten Teile des alten Holzes. Es stabilisiert auch die vielen Risse und die stumpf angesetzten Spitzen, die von einer früheren Reparatur stammen könnten.
Vorsichtig in die fragile Decke einverleimt, tut man gut daran, auf gute Abstützung der schweren Zwingen zu achten, denn die vom Körper dess Basses abgelöste Decke ist wie Glas und bricht schnell. Schon am nächsten Tag, nach dem Wegnehmen der Zwingen, erfühlt man die neue Stabilität der Decke. Das überstehende Holz wegzustechen und den Einleimer auf die passende Dicke zu hobeln sind danach ein pures Vergnügen.
Eine Restauration einer solchen alten Decke ist aufwendig und setzt Geduld voraus. Geduld des Geigenbauers, aber auch des Besitzers. Solche Arbeiten lassen sich nicht von einem Tag auf den anderen erledigen und mir stehen noch einige spannenden Reparaturen bevor, wie zum Beispiel ein komplett neuer Rand an diese Decke anbringen. Ich werde sicher noch einige Zeilen und ein paar Fotos dazu posten.
Auf jeden Fall ist es ein einziartiges Vergnügen, einen solch schönen Kontrabass von Grund auf zu restaurieren und ich freue mich jeden Morgen darauf, in mein kleines Paradies zu kommen und mein Tagwerk zu beginnen. Und das seit 42 Jahren in meinem eigenen Atelier, meinem Kontrabass Paradies im schönen Bern.
In diesem Sinne viel Spass und bis gleich wieder mal hier auf meinem Kontrabassblog
Giorgio Pianzola, Geigenbauer
© Copyright Text und alle Fotos, Giorgio Pianzola Bern 2026. Achtung: dieser Artikel wurde von einem Mensch erstellt, geschrieben und fotographiert und basiert auf meiner 42 jähriger Erfahrung als selbständiger Geigenbauer






























